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Schreiben nach Herzenslust

erstellt von Karin Zimmer zuletzt verändert: 02.10.2017 18:07
Schreibbegeisterte Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 8-13 unserer Schule durften im Rahmen des Projektes "Little Artur im Schreiberspace" an einem zweitägigen Schreibworkshop unter der Leitung der renommierten Frankfurter Autorin Annegret Held teilnehmen. Der Workshop wurde vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz gefördert und vom LiteraturBüro Mainz organisiert. Die jungen Schreibtalente erhielten dabei Anregungen, Tipps und Vorschläge zur Verbesserung ihrer eigenen Texte. Im Winter werden die gelungenen Geschichten der Jugendlichen in einer E-Book-Anthologie veröffentlicht werden.
Schreiben nach Herzenslust

Autorin Annegret Held

Am St.-Willibrord-Gymnasium werden regelmäßig Schreibworkshops mit Profis, nämlich mit richtigen Autoren, angeboten. An diesen Workshops können interessierte Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassenstufen teilnehmen. Dieses Jahr kam die mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Autorin Annegret Held zwei Tage an unsere Schule. Ihre Romane handeln von der städtischen und ländlichen Gegenwart und einige ihrer Werke sind sogar schon verfilmt worden.

Am ersten Tag des Workshops, der in unserer Schulbibliothek stattfand, begannen wir nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit einem Brainstorming. Diese Aufgabe war nicht einfach zu meistern, denn wir sollten bewusst an etwas Unbestimmtes denken und dieses notieren. Im Anschluss durften wir uns einen Gegenstand oder eine Person ausdenken und eine Emotion damit verbinden, zum Beispiel Wut oder Liebe. Danach fingen wir an, unsere eigenen Geschichten aufzubauen, wobei wir uns, um die Inspiration anzuregen, frei in der Schule bewegen durften.

Am zweiten Tag schrieben wir dann wirklich nach Herzenslust an unseren eigenen Geschichten weiter. Wir konnten wählen, ob wir alleine oder zu zweit arbeiten wollten. Zwischendurch trafen wir uns regelmäßig in der Gruppe, um unsere neuen Ideen auszutauschen. Am Ende des Tages war ein Teil der Geschichten bereits fertig und diese stellten wir vor und besprachen sie. Annegret Held ermunterte diejenigen, die noch nicht ganz mit dem Schreiben fertig waren, die vielversprechenden Texte noch zu vollenden. Das haben wir natürlich getan und wer sich von der Qualität der Texte überzeugen möchte, hat bald die Möglichkeit zum kostenlosen Download des E-Books: 

http://www.little-artur.de/ebook.htm

Der Schreibworkshop mit der Autorin Annegret Held war sehr interessant und vermittelte uns hilfreiche Tipps und Ideen zum Schreiben von eigenen Geschichten.

Vor allem aber hatten wir viel Freude am Schreiben!

verfasst von Karina Heilenbach, Marie Nels, Elisabeth Peters (8c)

 

Hier die Geschichte von Marie Assmann, Klasse 8a:

Ich bin anders

//Bisher konnte mir schon niemand helfen, wieso sollte Thea es tun?

Ich befürchte, mir ist einfach nicht zu helfen, nicht einmal das christliche Wohnheim hilft und auch der Arzt hat es nicht geschafft, mir den „Dämon“, wie sie es nennen, auszutreiben.

Ich bin einfach anders.//

 

Ein schrecklicher Samstagmorgen. Es regnet ohne Ende und trotzdem schleppe ich mich aus dem Bett und mache mich als einziger im Waschraum fertig, bevor ich mich durch das Fenster rausschleiche.

//Wie kam ich bloß auf die dumme Idee, mir diesen Termin zu besorgen?//

 

Vor der Eingangstüre bleibe ich völlig durchnässt stehen und gehe nochmal total in mich.

//Du musst das nicht tun, Tristan. Es ist noch nicht zu spät, es dir anders zu überlegen.//

Und doch entscheide ich mich für die Therapie. Die Therapie, die mir helfen soll, damit klarzukommen, dass ich anders bin.

 

Ich steige das nie enden wollende Treppenhaus empor, bis ich im achten Stock angekommen bin.

„Fr. Dr. Thea Stort

Therapeutin“

Einmal noch atme ich tief durch und klopfe dann an.

Einige Sekunden später ertönt ein dumpfes „Herein“ und ich öffne langsam die Tür.

Ich trete an den Empfangsschalter und warte dort hinter einer Frau; geschätzt Anfang 20, schwarze, etwa schulterlange Haare und ihr zierlicher Körperbau war mit einem schneeweißen Arztkittel bekleidet.

Ich räuspere mich kurz und die Schwarzhaarige schenkt mir ihre Aufmerksamkeit.

„Ach hallo, du bist Tristan Zimmer, stimmt’s?“, spricht sie mich an und ich bestätige mit einem Nicken.

Sie gibt mir mit einer Handbewegung Bescheid, ihr zu folgen.

„Also Herr Zimmer, dann erzählen sie Mal von Ihrem Problem.“

Sie setzt sich auf einen Stuhl hinter einen Schreibtisch.

//Ich will ihr doch eigentlich gar nichts erzählen. Ich will dieses abscheuliche Wort nicht in den Mund nehmen!//

„Herr Zimmer?“

„Oh. Ähm, ja richtig. Also ich weiß nicht, wie ich ihnen das erzählen soll… Also - ich bin anders, aber ich will so nicht sein und es lässt sich nicht ändern“, antworte ich etwas verdattert, da ich scheinbar sehr lange in meine Gedanken vertieft war.

„Sie sind also anders“, stellt Thea skeptisch fest, „können Sie mir das bitte genauer erläutern?“

Verunsichert blicke ich sie an. //Ich mag es nicht, darüber zu reden. Es ist nicht so von Gott gewollt. Es ist unnatürlich.//

Ich schüttle also den Kopf und ernte dafür einen sehr verwunderten Blick.

„Ich will das nicht. Ich will nicht so sein. Das hat Gott nicht so geschaffen“, erkläre ich ihr.

Thea protokolliert jedes Wort, das ich sage. Nebenbei murmelt sie etwas Unverständliches und schaut dann wieder zu mir auf.

„Heute Abend, 19:00 Uhr, Seamore’s Lovewall, 390 Broome Street. Sei pünktlich“, zwinkert sie mir zu und schreibt die Adresse auf einen kleinen Handnotizzettel.

//Ein Treffen außerhalb der Praxis?//

Verwundert runzle ich meine Stirn, nehme es aber so hin und verabschiede mich. Draußen wartet ein mieses Unwetter auf mich.

Genervt stülpe ich mir meine Kapuze über und verschränke die Arme vor der Brust. Mit eiligen Schritten mache ich mich auf und laufe zurück zum Wohnheim.

Heimlich schlüpfe ich wieder durch das Fenster in mein Zimmer und entledige mich meiner komplett durchweichten Kleidung.

Nur mit einer Jogginghose bekleidet schlendere ich den Flur entlang, bis zum Waschraum.

 

Hastig eile ich aus der Mensa, hoch in mein Zimmer, ziehe mir Schuhe und Jacke an und springe aus dem Fenster. Mal wieder.

Ein vorher heimlich ausgedruckter Stadtplan weist mir den Weg bis zur besagten Stelle, wo ich mich mit der Therapeutin treffen soll.

//Manhattan im Dunklen kann ganz schön angsteinflößend sein.

An so gut wie jeder Ecke findet eine Auseinandersetzung statt, die das ein oder andere Mal auch handgreiflich geworden ist.//

Von weitem ist schon eine weibliche Silhouette zu erkennen, doch zuordnen kann ich sie noch nicht. //Heute Morgen in ihrer Praxis sah Thea viel dünner und kleiner aus.//

Ich trete näher an die Gestalt heran. „Hallo? Frau Stort?“, rufe ich aus sicherer Distanz.

Die Frau blickt über ihre Schulter und grinst mich an. „Du kannst mich Thea nennen, Tristan.“

Sie überwindet die letzten Schritte zwischen uns und drückt mir eine Dose in die Hand. „Ich dachte mir, hier wäre ein passender Ort, um darüber zu reden“, erklärt sie mit ihrer zarten Stimme, „Also pass auf: Wenn du denkst, du kommt damit klar, sprühst du irgendwo ein Herz hinzu, okay?“

//Was soll das denn jetzt? Bin ich in einer Selbsthilfegruppe gelandet?//

Skeptisch blicke ich in Theas smaragdgrünen Augen.

„Ich weiß. Viele Patienten halten diese Idee für völlig gestört, aber wie wär’s, wenn du einfach über dich erzählst. Was machst du so? Wie sieht dein Tagesablauf aus? Wo wohnst du? Sowas eben“, fordert Thea mich ermunternd auf.

In monotonem Tone beginne ich ihr über mich zu erzählen: „Ich bin Tristan Zimmer, 15 Jahre alt, wohne im christlichen Wohnheim-“

„Christliches Wohnheim?“, unterbricht mich Thea verdutzt.

Ein Nicken meinerseits bestätigt ihre Frage und ich erläutere ihr meine komplette Situation. Von meinem Outing bis hin zu meinem Rausschmiss bei meinen Eltern, zum Einzug im Heim und von Lavander, dem Jungen, der mein erster fester Freund war, mich jedoch belogen hatte.

„…Ich hab mich nie freiwillig dazu entschieden, Christ zu werden, aber ich muss mich wegen meines Heims an die Bibel halten. Und irgendwie hoffe ich auch, dass es Gott gibt.“

Thea hatte die ganze Zeit ruhig dagestanden und mir zugelauscht. Nun herrscht Stille zwischen uns beiden. Autos rauschen vorbei und Lichter nähern und entfernen sich wieder.

„Tristan. Wenn es wirklich nur an deinem Wohnheim liegt, dann verschwinde doch von da in ein anderes Wohnheim. Vielleicht geht es dir dort besser. Tritt aus der Kirche aus, niemand soll dich ändern, du bist du. Und weißt du… Love is all we need.“

Die letzten Worte flüstert sie leise und ich fange an zu lachen.

„Was ist?“, will Thea gespielt beleidigt wissen. „Du zitierst diese Floskel von John Lennon?“, bringe ich knapp hervor. //Und da wurde es mir klar. Ich kann nicht einfach ändern, wer ich bin. Es ist ein Teil von mir, den ich akzeptieren muss, und nur ich muss das. Thea hat Recht. Ich muss es mir einfach selber eingestehen. Ich hab einfach all die Zeit ein Brett vor dem Kopf gehabt. Es gibt doch für alles eine Lösung, oder nicht? Ich folge Theas Rat. Morgen bin ich weg.//

„Das ist keine Floskel“, protestiert mein Gegenüber.

Ich grinse und antworte ihr: „Weißt du was, Thea? Du hast ganz Recht. Ich muss mich nicht länger mit denen abgeben. Ich bin morgen früh weg… nur… wo soll ich hin?“

Wir beide denken angestrengt nach und schließlich kommt ihr eine Idee: „Fürs Erste kannst du zu mir, dann finden wir bestimmt noch irgendein Wohnheim oder eine Studentenbude hier in der Nähe, die nichts gegen Homosexuelle hat.“

Freudig stimme ich zu und betrachte die Dose in meiner Hand.

Ich hebe diese und setze an. Ein Zischen ertönt und zeichnet eine Herzform auf die Mauer. Eine von vielen anderen. Während ich die Linie ziehe, spreche ich zu meiner Therapeutin: „Thea, ich bin schwul.“

Lächelnd nickt diese. „Ich weiß“, bestätigt sie gelassen und nimmt die Spraydose entgegen, die ich ihr hinhalte und stopft sie in ihren Rucksack. „Hast du viel im Heim?“, forscht sie nach und ich schüttle den Kopf. // Im Heim habe ich so gut wie gar nichts. Oftmals wurden mir Dinge geklaut oder zerstört, weil mich dort niemand leiden kann.//

„Warum dann warten? Komm doch einfach direkt mit mir!“, fordert sie mich auf. Kurz muss ich überlegen. //Ich kann dann nicht mehr zurück, aber Materielles ist leicht zu ersetzen.// Ich willige ein.

 

Zusammen mit Thea schlendere ich durch halb Manhattan. Durch die dunkelsten Gassen, entlang am Empire State Building, welches imposanter denn je in der Dunkelheit seine Farben auf die umliegenden Gebäude wirft, bis wir schließlich wieder vor ihrem Praxisgebäude stehen.

 

Es vergehen drei lustige, gesprächige und therapeutisch hilfreiche Wochen bei Thea, bis wir im Internet auf eine freie Stelle in einem Wohnheim, 5 Blocks weiter, stoßen und diese ergattern können. Schweren Herzens sammle ich mein Zeug, welches verteilt in ihrer bescheidenen Wohnung liegt, ein und verabschiede mich von ihr mit einem riesigen Blumenstrauß, den ich bei unserem Ausflug in den Central Park zusammengesucht hatte. Es war einer der schönen Wochenendausflüge, die wir dann unternahmen, wenn sie endlich einmal frei hatte. Seit ich aus dem alten Wohnheim raus bin, sollen es mir wohl einige gleich getan haben und diese suchten alle das Gespräch bei meiner Ex-Therapeutin.

 

//Der Tag ist gekommen, an dem ich mich von meiner besten Freundin verabschieden muss und einen neuen Lebensabschnitt beginnen kann.//

Ich stehe zusammen mit Thea vor den riesigen Holztoren meines neuen Wohnheims. Die Sonne scheint fröhlich an diesem warmen Frühlingsmorgen.

Traurig blicke ich sie an und versuche Worte zu finden, ohne direkt weinen zu müssen. „Die Vögel veranstalten uns zu Ehren heute ein Konzert“, bemerkt sie und deutet auf die kleinen Meisen, die in einem blühenden Kirschbaum verweilen und fröhlich umherzwitschern.

Lächelnd nicke ich und falle ihr in die Arme. „Danke“, nuschle ich in ihre Schulter, „für alles.“

//Thea hatte mir dabei geholfen, mich endlich selbst zu finden und als ich es geschafft hatte, half sie mir, das auch in die Tat umzusetzen. Aus dem kleinen, unsicheren, zierlichen Tristan, wurde nun ein selbstbewusstes, aufgerichtetes Ich.//

„Du bist anders“, lächelt sie und wuschelt mir ein letztes Mal durch meine straßenköterblonden Locken.

 

Die Eingangshalle ist sehr imposant und in die Holzsäulen haben Wohnheimeinwohner Herzen mit Buchstaben geritzt. An den Wänden hängen teils selbstgemalte Bilder von Kindern im Alter von geschätzt drei bis sechs Jahren. Der übrige Rest der Wände wird von einer tiefroten Raufasertapete geziert und ist ebenfalls mit Edding bemalt worden. Am Ende des Flurs führt eine breite Holztreppe in den ersten Stock und daneben sitzt eine Frau am Empfangsschalter.

„Tristan Zimmer, richtig?“, heißt diese mich willkommen und die Worte hallen noch einige Sekunden danach durch die riesige Gewölbehalle.

Ich gehe direkt auf sie zu und lege ihr meinen Personalausweis vor.

Die Empfangsdame nimmt ihn entgegen und tippt etwas in ihren Computer ein, ehe sie hinter dem Schalter hervorkommt und mir einen Schlüssel mit einer silbernen Plakette dran übergibt. Darauf eingraviert ist die Zahl 2.3.

„Also Tristan, du gehst jetzt zwei Stockwerke hoch und dann den Flur links entlang, dort findest zu fünf Türen vor und die mit der Nummer 3, die ist deine. Du hast einen Zimmergenossen. Herzlich willkommen bei uns“, erklärt die Dame.

Ich befolge ihre Anweisung und mit zitternder Hand stehe ich vor besagter Tür. //Ein Neuanfang.//

Langsam drücke ich die Tür auf und ein wunderschöner, braunhaariger Junge mit noch dunkleren Augen blickt mich an.

 

Wir spazieren zusammen, Hand in Hand durch den Central Park, als er plötzlich am See anhält und mich mit sich durch das noch niedrige Schilf zieht. Inmitten der riesigen Seerosenblätter schwimmt eine kleine Holzplattform, auf welche er mich mitnimmt.

Verwundert blicke ich ihn an und er kramt eine kleine Schatulle aus seiner Jackentasche. Dann kniet er sich vor mich und sagt die vier bedeutungsvollsten Worte, die ich nach seinem ‚Ich liebe dich‘, jemals gehört haben: „Willst du mich heiraten?“

Ich strahle bis über beide Ohren und ich spüre schon, wie sich Tränen ihren Weg in mein Auge bahnen.

„Ja, ich will.“

 

 

 

 

 

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